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Was war das für ein Sportwochenende! Angelique Kerber gewinnt ihren ersten Grand-Slam-Titel, die deutschen Handballer brillieren in einem spannenden Match gegen Spanien, und Eric Frenzel schreibt beim Seefeld-Triple der Nordischen Kombinierer Geschichte. Und auch wenn ich wenig Ahnung habe von Sportberichterstattung, ist mir dieses Wochenende eines bewusst geworden: Fußball ist der langweiligste Sport aller Zeiten. Mich interessieren weder Taktik noch, welcher Fußballer die dicksten Beats-Kopfhörer hat. Wenn ich meine wertvolle Zeit schon dafür aufwende, Menschen zuzusehen, wie sie schwitzend einem Ball hinterherjagen, zählt für mich vor allem eins: Spannung und Entertainment. Und in keiner Sportart vermisse ich das mehr als im deutschen Fußball. Oder lassen Sie es mich anders formulieren: Lieber fiebere ich mit dem HSG Wetzlar mit, als mir zum x-ten Male anzuschauen, wie der FC Bayern nach den ersten paar Minuten jedes Bundesliga-Spiel dominiert.

Bestes Beispiel: Basketball. Nicht umsonst werden Basketballer in den USA wie Superstars behandelt, nicht umsonst suchen deutsche Ausnahmetalente wie Dennis Schröder im Ausland ihr Glück. Basketball in Deutschland ist wie der ewige Zweite, dem der Durchbruch nicht so recht gelingen will. Schade, denn im Gegensatz zum Fußball hält der Sport ein wahres Feuerwerk an Entertainment parat. Während im Stadion schlechte Fußballlieder gegrölt werden, gibt es im Basketball Hip-Hop auf die Ohren. Und Cheerleader fürs Auge. Die Sportwelt könnte doch so schön sein.

Und so spannend. Denn während man im Fußball oft vergeblich auf ein Tor wartet, gibt es im Basketball wie auch im Handball einen Treffer nach dem anderen. Erspart bleiben dem geneigten Zuseher das ewige Hin- und Hergekicke, das am Ende doch zu nichts führt. Während die Fußballer also immer noch nicht zum Abschluss kommen, sind alle anderen Mannschaftssportler schon mindestens fünf Treffer voraus. Fünfmal mehr Grund zum Jubeln, fünfmal mehr Grund, mit den Freunden anzustoßen und das Leben und den Triumph zu feiern.

Gerade in Bezug auf das Feiern können sich deutsche Fußball-Kommentatoren noch so einiges bei ihren Kollegen aus anderen Sportarten abschauen. In der NFL sind deutsche Kommentatoren mittlerweile so beliebt, dass ihre Anmoderationen auf YouTube viral gehen. Und auch beim Grand-Slam-Finale zwischen Angelique Kerber und Serena Williams gingen Spiel und Sieg zwar an die 28-jährige Deutsche, Satz aber eindeutig an Kommentator Marco Hagemann. Hagemann fieberte nicht nur mit Kerber mit, er feierte mit Sprüchen wie „Angie, du hast es“, „Ja, es ist wahr“ oder „Ist das geil“ frenetisch ihren Sieg. So sehr, dass ihm gegen Ende fast die Stimme wegblieb. Dagegen wirkt die Bundesliga-Berichterstattung eher so, als würde jemand meine Steuererklärung aus dem letzten Jahr vorlesen.

Letztlich ist es doch so: Was Sport für den Zuschauer spannend macht, ist das Zurschaustellen von körperlicher Leistung. Während man beim Tennis mit eigenen Augen sieht, wie die Kraft der Spieler langsam schwindet, hat man beim Fußball oft den Eindruck, dass der eine Teil der Mannschaft lauffaul ist, während der andere Teil schon beim Blick eines Spielers aus der gegnerischen Mannschaft zu Boden fällt wie ein nasser Sack. Indes versucht der Torwart, seine fehlende Körpergröße mit riesigen Handschuhen wettzumachen, die ihm bei einem gut platzierten Schuss aber auch nicht helfen. Der Handball-Torwart dagegen braucht nichts außer seinem Körper, um den Ball zu stoppen. Seine Hände sind von selbst so groß wie die Torwarthandschuhe. Und ganz nebenbei macht es ihm auch nichts aus, sich zu verrenken wie eine Gummipuppe, um einen Torschuss zu verhindern. Und mal im Ernst: Gegen die Zwei-Meter-Riesen aus Hand- und Basketball sehen die Mannschaften der Bundesliga aus wie ein Zwergenverein.

So fragt man sich, warum gerade Fußballer zu den Bestverdienern im Sport gehören, warum Millionenablösen gezahlt werden, nur weil einer schneller läuft als der andere. Und warum jedes Wochenende Zehntausende ins Stadion rennen und horrende Preise bezahlen, um ein paar überbezahlte Profis anzufeuern. Andreas Wolff, Angelique Kerber und Eric Frenzel, sie alle machen uns klar, dass es da draußen noch mehr großartige Athleten gibt wie Müller oder Gündogan. Welche, die unsere Anfeuerung und unsere Aufmerksamkeit mehr als verdient haben – und sich dafür mächtig ins Zeug legen. Und mal ehrlich: Die Underdogs anzufeuern, macht das Spiel doch nur noch interessanter.